1. Vorstellungsrunde der Bürgermeisterkandidaten für Ratekau

Von links: Dennis Jaacks, Philipp Einfeld, Teja Kanthak

Am 18. Januar 2026 haben wir zur ersten Vorstellungsrunde der Kandidaten geladen, die sich um das Bürgermeisteramt für Ratekau bewerben. Auch Kandidatin Anna Funck hätte selbstverständlich Gelegenheit haben sollen, sich den Bürgerinnen und Bürgern zu präsentieren, doch wie hinlänglich aus der Presse bekannt, hat sie ihre Kandidatur kurzfristig zurückgezogen.
So stellten sich also lediglich Dennis Jaacks und Teja Kanthak den Fragen des interessierten Publikums.
Um 11:30 Uhr war der Bahnhof Pansdorf beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt. Ebenso locker-humorvoll wie sachlich und kompetent führte Philipp Einfeld, Sprecher des Ortsverbands, durch die verschiedenen Themenblöcke und erinnerte charmant mit kleinen Tafeln an die Einhaltung der Redezeit.

Zwei Vorstellungsrunden der Gemeinde gibt es am Mittwoch, den 18. Februar 2026, in der Møn-Halle in Ratekau (mit Gebärdenübersetzung) und am Mittwoch, den 25. Februar 2026, in der Sporthalle in Sereetz, jeweils um 18 Uhr.
Was die beiden Kandidaten bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt gesagt haben, finden Sie in folgender Übersicht. Bitte beachten Sie, dass es sich nicht um wörtliche Zitate handelt. Die Antworten sind verkürzt wiedergegeben.

In einer ersten Kurzvorstellung umrissen beide ihre Lebensläufe und stellten ihre derzeitige familiäre und berufliche Situation vor. Dennis Jaacks betonte vor allem seine starke Verwurzelung in der Gemeinde und seinen großen Erfahrungsschatz in der Ratekauer Verwaltung. Teja Kanthak wies wiederum auf seine Erfahrungen innerhalb seines Familienunternehmens hin und betonte seinen Wunsch starker Bürgerbeteiligung.

Umwelt-, Natur- und Klimaschutz

Dennis Jaacks: Die Auszeichnung als Klimaschutzgemeinde sei im Grunde nur ein Preis. Es ginge aber nicht darum, Auszeichnungen zu erringen, sondern praktisch etwas zu bewegen. Da sei Ratekau bereits auf einem guten Weg. Man statte öffentliche Gebäude mit Photovoltaik aus und baue Wärmepumpen ein.

Teja Kanthak: Klima- und Umweltschutz fange im Kleinen an. Es sei wichtig, den öffentlichen Nahverkehr besser abzustimmen, so dass ein Bus auch mal fünf Minuten später fährt, wenn dadurch der Anschluss mit der Bahn passt. Radwege seien ein wichtiges Thema. Auch wenn es sich um Landesstraßen handelt, müsse man es hinkriegen, dort Einfluss zu nehmen. Baumpflanzungen seien ebenso zu fördern wie Reparatur-Initiativen.

Frage aus dem Publikum: Wie stehen Sie zu Renaturierungen und Wiedervernässung von Mooren?
Teja Kanthak: Grundsätzlich positiv. Man muss im Einzelnen sehen, welche Maßnahme sinnvoll ist.

Dennis Jaacks: Grundsätzlich positiv. Einzelne Projekte wurden in der Vergangenheit von Landwirten abgelehnt. Auch weiterhin sollte nichts von oben bestimmt werden, sondern im Einklang mit den Bürgern geschehen.

Frage aus dem Publikum zum Umgang mit den verschiedenen Verantwortlichkeiten, z.B. Land, Kommune, ZVO.
Dennis Jaacks: Das sei ein schwieriger Punkt. Damit umzugehen, habe auch etwas mit der Schwerpunktsetzung der Verwaltung zu tun.

Teja Kanthak: Müssen beispielsweise die Radwege neu gemacht werden, stellt er sich die Frage, warum die Gemeinde das nicht schaffen sollte. Er sagt, das müsse sie einfach schaffen. Beispiel Fernwärme: Das sollte kein Zwang sein, es müssten immer Alternativen nutzbar bleiben.

Frage aus dem Publikum: Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass Bäume verschwinden müssen. Wie stehen Sie zu Neupflanzungen?
Teja Kanthak: Er wolle mehr Bäume haben, sie sollten aber zielführend gepflanzt werden, also so, dass sie auch Platz zum Wachsen haben.

Dennis Jaacks: Er erinnert daran, wie viel die Gemeinde in diesem Punkt schon gemacht hat. Grundsätzlich sieht er Neupflanzungen immer positiv. Sie müssen so geplant sein, dass sie mit der städtebaulichen Entwicklung Hand in Hand gehen.

Kinder und Jugend

Dennis Jaacks: Man müsse eine Bedarfsanalyse erstellen, ob Spiel- und Bolzplätze in der jetzt existenten Form überhaupt noch zeitgemäß sind. Danach sollten Konzepte für die Neugestaltung entwickelt werden.

Teja Kanthak: Sieht das als einen Schwerpunkt. Wenn ein Angebot da sei, würde es auch genutzt. Er stellt sich Patenschaften vor, also z.B. Unternehmen, die spenden, damit Plätze weiterentwickelt werden können.

Frage aus dem Publikum: Geht die Zusammenarbeit mit Sportvereinen und die Unterstützung von Ehrenamtlern mit Ihnen als Bürgermeister weiter?
Teja Kanthak: Er fördert auch privat, weil dieser Bereich wichtig für den Zusammenhalt und die Struktur der Gemeinde sei.

Dennis Jaacks: Für ihn sei das sein zweites Kernthema und eine Herzensangelegenheit.

Frage aus dem Publikum: Wie geht es nach dem Weggang der bisherigen Leiterin mit der Gemeindebücherei weiter? Wie kann sie für Kinder attraktiver gemacht werden?
Dennis Jaacks: Es sei gut, dass die Gemeinde diese freiwillige Leistung überhaupt noch habe. Natürlich solle es damit weitergehen, doch auch in dem Bereich ändere sich der Bedarf. Der Wechsel in der Leitung könne eine Chance sein.

Teja Kanthak: Eine Bücherei finde er sehr wichtig und nutze sie auch aktiv. Der Wechsel in der Leitung habe ihn überrascht. Lesen müsse auf jeden Fall sein.

Mobilität und öffentlicher Nahverkehr

Thema: Auswirkungen der Hinterlandanbindung, etc.
Teja Kanthak: Hier gebe es wenig Gestaltungsspielraum, weil die Bahn viel vorgebe. Als Gemeinde könne man nur versuchen, die positiven Auswirkungen zu nutzen und die Arbeiten erträglich zu gestalten.

Dennis Jaacks: Stimmt zu. Man müsse das Ganze vor allem kommunikativ gut begleiten. Eine Straßensperre müsse rechtzeitig bekanntgegeben werden. Auch die Abstimmung mit den Versorgern sei hier wichtig, damit nicht gleichzeitig weitere Maßnahmen zu übermäßigen Belastungen im Straßenverkehr sorgen.

Frage aus dem Publikum: Die Sanierung der Schulstraße hat vier Jahre gedauert. Nun steht die Sanierung der Tannenbergstraße an. Wird auch das so lange dauern?
Teja Kanthak: Das sei ein Grund, warum er als Bürgermeisterkandidat antrete. Auch er könne einfach nicht verstehen, dass etwas so lange dauern könne.

Dennis Jaacks: Auch die Verwaltung sei damit nicht glücklich. Man habe vieles sehr gut machen wollen, habe z.B. Bäume erhalten wollen, was sehr aufwändig und teuer gewesen sei. Man habe ein tolles Ergebnis erreicht, aber die Bauzeit sei natürlich nicht akzeptabel.

Frage nach der Einrichtung von weiteren Tempo 30-Zonen zur Senkung der Lärmbelästigung und der Gefahren
Dennis Jaacks: Er sieht diese Möglichkeit grundsätzlich positiv, Möglichkeiten müssten geprüft werden.

Teja Kanthak: Auch er sieht die Sache positiv, wo es gewünscht sei.

Frage aus dem Publikum: Häufig sind Schilder kaputt, die z.B. die Geschwindigkeit messen. Warum kontrolliert das niemand?
Teja Kanthak: Das habe er sich auch schon oft gefragt. Man müsse dieses Thema mit dem Ordnungsamt angehen und sehen, welche Maßnahmen sinnvoll seien.

Dennis Jaacks: Auch hier gebe es eine Frage der Zuständigkeiten, für den ruhenden Verkehr sei z.B. die Polizei zuständig. Aktuell sei eine interkommunale Zusammenarbeit im Gespräch. Man wolle Kooperationen schmieden, um die gewünschten Kontrollen personell besser hinzubekommen.

Frage aus dem Publikum: Die Schaltung der Ampel auf der Höhe des griechischen Restaurants Piato ist nicht nachvollziehbar. Man steht dort mitten in der Nacht einsam vor einer roten Ampel und wartet, obwohl weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer ist. Lässt sich hier nicht eine bedarfsgerechte Schaltung erreichen?
Dennis Jaacks: Er erzählt, nach dem Urlaub das gleiche Erlebnis gehabt und zwei Minuten dort gestanden zu haben. Er wolle Gespräche mit dem Land aufnehmen, es gebe bestimmt Möglichkeiten, das zu lösen.

Teja Kanthak: Er freue sich, dass das auch anderen auffiele und meint, es könne keine große Sache sein, die Ampel schaltbar zu machen.

Frage aus dem Publikum: Häufig parken Autos auf Rad- und Fußwegen. Könnte man auch für diese Kontrolle in Kooperation mit Scharbeutz Mitarbeiter ausleihen?
Teja Kanthak: Radwege müssten frei sein, und Kooperationen seien immer gut. Zeitweise Kontrollen halte er für gut, man solle es aber auch nicht auf die Spitze treiben.

Dennis Jaacks: Eine Kooperation sei auch hier auf jeden Fall möglich.

Finanzen

Die Aufgaben wachsen. Bitte um eine Bewertung der aktuellen finanziellen Situation der Gemeinde.
Teja Kanthak: Er könne sich nur aufgrund von Zeitungsartikeln ein Bild dazu machen und meint, die Gemeinde habe momentan diesbezüglich einen Spielraum. Einen ausgeglichenen Haushalt halte er für schwierig, aber wichtig.

Dennis Jaacks: Es gebe riesige Herausforderungen. Die Gemeinde habe sich über die Jahre gesunde Finanzen aufgebaut, dennoch bleibe Ratekau eine finanzschwache Gemeinde, die kreativ mit den knappen Mitteln agieren müsse. Ratekau habe eine kleine Verwaltung, das spare Geld. Weiterhin sei es wichtig, gutes Fördermittelmanagement zu betreiben.

Frage aus dem Publikum: Neben Sparmaßnahmen lassen sich auch die Einnahmen erhöhen, zum Beispiel durch neue Gewerbegebiete.
Dennis Jaacks: Er hält es für sehr wichtig, die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen. Die Nachfrage sei riesig, täglich gingen in der Verwaltung entsprechende Anrufe ein.

Teja Kanthak: Auch er sieht die Gewerbesteuer als eine wichtige Einnahmequelle an, die gern weiterentwickelt werden solle. Ihm sei es wichtig, dabei die Ökologie im Blick zu haben und beispielsweise Baufelder zu nutzen, die jetzt schon durch die Hinterlandanbindung entstünden.

Wohnen

Durch eine immer älter werdende Gesellschaft wird immer mehr Wohnraum gebraucht, der es alten Menschen möglich macht, weiterhin selbständig zu leben. Dieser Wohnraum muss bezahlbar sein.
Teja Kanthak: Das sei ein wichtiger Punkt. Er weist darauf hin, dass derzeit sowohl für alte als auch für junge Menschen gute Angebote fehlten. Sein Lösungsansatz sei die Nachverdichtung. Wo ein Einfamilienhaus abgerissen wird, solle möglichst ein Mehrfamilienhaus entstehen. Er wolle nicht immer neue Flächen versiegeln und Baugebiete schaffen, die dann neue Straßen erforderten.

Dennis Jaacks: Auch er betont, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum für alle sei. Die alternde Gesellschaft sei eine Herausforderung, das betreute Wohnen müsse immer mehr wachsen. Er spricht sich ebenfalls für das Nachverdichten aus, gibt aber zu bedenken, dass die Handlungsfähigkeit begrenzt sei, weil der Platz es eben auch sei. Man müsse am Ball bleiben und neue Gebiete erschließen.

Inklusion

Was bedeutet es für Sie?
Dennis Jaacks: Die Gemeinde habe vor vielen Jahren einen Inklusionsplan auf den Weg gebracht. Darin enthalten sei etwa Barrierefreiheit in der Infrastruktur, automatische Türen, Rampen. Auch die Homepage der Gemeinde sei für Menschen mit einer Sehbehinderung geeignet und gut nutzbar.

Teja Kanthak: Dies sei ein wichtiges Thema, das gefördert werden müsse. Er biete mit seinem Unternehmen barrierefreie Strandkörbe an. Alles sei wichtig, was zu mehr und größtmöglicher Selbständigkeit Betroffener führe.

Kultur

Bisher kommt das Wort nicht einmal auf der Homepage der Gemeinde vor. Und in Zukunft?
Teja Kanthak: Ein wichtiges Thema. Die Frage sei aber, wie es angenommen würde. Projekte sollten gern gefördert werden, und die Gemeinde habe ja auch Orte, wo etwas passieren können. In der Umgebung würden bereits viele etwas tun und anbieten.

Dennis Jaacks: Die Gemeinde sei nicht in der Pflicht, Angebote zu schaffen, sie hätte dafür tolle Ehrenamtler. Er könne sich aber vorstellen, Unterstützung zu leisten, indem es etwa einen Ansprechpartner gebe, der bei Genehmigungen etc. hilft.

Kurzfragerunde

Welches wäre das erste Projekt, dass Sie angehen würden, wenn Sie zum Bürgermeister gewählt würden?
Teja Kanthak: Er würde sich den Radweg zwischen Ratekau und Sereetz vornehmen.

Dennis Jaacks: Er würde sich um die Verwaltung kümmern, in der es derzeit viele offenen Stellen gebe.

Was wäre der Schwerpunkt in Ihrer Amtszeit?
Dennis Jaacks: Einen einzigen Schwerpunkt gebe es nicht, aber die Digitalisierung der Verwaltung stehe ganz oben, ebenso die Finanzen.

Teja Kanthak: Bezahlbarer Wohnraum und Mobilität.

Abschlussrunde

Dennis Jaacks: Das Thema Sicherheit habe ihm gefehlt. Die Bedeutung der Feuerwehr nehme zu, Blackout-Szenarien würden wahrscheinlicher. Er plädiert dafür, gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen zu üben, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Teja Kanthak: Alle Themen, für die er als Kandidat antrete, seien angesprochen worden. Klimaschutz und die Energiewende seien für ihn ein Schwerpunkt. Er wolle insgesamt neue Impulse setzen und Strukturen überprüfen und ggf. ändern. Er wolle, dass Dinge erklärbarer würden.